Home Foren Fragen und Antworten Schwimmbad Birkenau Antwort auf: Schwimmbad Birkenau

Milan
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    Beitragsanzahl: 19

    Sehr geehrter Herr Große,

    da der Erscheinungstermin noch immer nicht klar ist seitens der Zeitung, möchte ich Sie nicht länger warten lassen.

    Sie beziehen sich auf die Stellungnahme zur Freibad-Sanierung meines Mitbewerbers auf Facebook, der sich auf die Variante 3 bezieht. Diese Variante 3 ist mit einem (geplanten) Volumen von über 4 Millionen Euro (mit weiteren Kosten) die teuerste aller drei Vorschläge, die zu Diskussion standen. Sie geht weit über den Erhalt des Freibades hinaus und ist dafür ausgelegt, dass das Bad in seiner endgültigen Form zwischen 50.000 bis 100.000 Besucher im Jahr generieren müsste, um entsprechend ausgelastet zu sein. Zum Vergleich: Im Corona-Jahr 2020 hatte unser Freibad in seiner jetzigen Form etwa 10.000 Besucher und in den letzten Jahren zwischen 8.000-15.000 Besucher.

    Mein Ansatz lautet daher, dass das Projekt der Variante 3 zunächst zurückgestellt wird! Die Freibad-Sanierung muss neu aufgesetzt und weitere alternative (eventuelle kostengünstigere) Angebote eingeholt werden. Wenn wir eine wirklich nachhaltige Lösung für unser Freibad erarbeiten wollen, stellt diese Vorgehensweise dies sicher. Den vorliegenden Plan, können wir uns bei der aktuellen Haushaltslage in dieser Form nicht leisten. Die klassische Herangehensweise, wie man es aus dem Projektmanagement kennt, befasst sich zunächst mit der Frage „Was wollen wir?“ (Mehr Besucher? Längere Saisonöffnung?) und behält die Budgethöchstgrenze stets im Blick. Deshalb will ich hier starten.
    Ich möchte mich dafür einsetzen, dass wir hier in Birkenau den Charme und die naturidyllische Einbettung unseres Freibads erhalten, was doch letztlich das Alleinstellungsmerkmal und gar einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Bädern wie beispielsweise Miramar und Co. darstellt.

    Als ersten Schritt möchte ich Angebote einholen, die lediglich eine Weiterführung des Betriebs gewährleisten. Hierbei sollten unterschiedliche Anbieter angefragt werden, die sich auf die Erneuerung der bestehenden Technik fokussieren. Denn ja, das Freibad muss erhalten werden. Ich bin jedoch überzeugt, dass die Kosten weitaus geringer ausfallen, wenn wir uns auf das Notwendige – nämlich die Erneuerung der bestehenden Technik ohne das Einleiten einer überdimensionierten Baumaßnahme konzentrieren. Allerdings sehe ich dringenden Bedarf, im Zuge meines Vorschlags zur Sanierung, ebenfalls die Renovierung der Sanitäranlagen und Umkleiden durchzuführen. All diese Schritte können zeitnah beschlossen und umgesetzt werden und würden eine Schließung des Freibads verhindern. Sie sind zudem finanziell eher tragbar.
    Da dieses Thema den Bürgerinnen und Bürgern sehr wichtig zu sein scheint, was ich im Übrigen persönlich teile, will ich mich dafür stark machen, auch andere für die Schließung nicht relevanten aber dennoch renovierungsbedürftige Dinge im Freibad (Stichwort Kiosk), aufzugreifen. Schon jetzt kann mit einer Initiativgruppe von interessierten Bürgerinnen und Bürgern, die sich engagieren wollen, ein Konzept erarbeitet werden. Es gibt so viele Menschen, die wirklich hierfür brennen und mir signalisiert haben, dass Sie gerne was bewegen wollen. Wir haben so viel Expertise, sei es von hier ansässigen Handwerkern, Mitarbeitern in den Bereichen Controlling, Buchhaltung, Projektplanung etc. Sie können uns, die Kommunalpolitiker, tatkräftig unterstützen, einen wirtschaftlichen, aber auch dem Bürgerinteresse entsprechenden und vor allem nachhaltigen Vorschlag vorzulegen. Bei der anschließenden Umsetzung ist auch eine Zusammenarbeit mit dem Bauhof vorstellbar.

    Der angesetzte erste Schritt, den mein Mitbewerber favorisiert und auf Facebook zur Diskussion gestellt hat, ist der einleitende Schritt zur Variante 3.
    Sie müssen es sich so vorstellen: Es wird in diesem ersten Schritt eine Technik eingebaut, die alleine auf die Variante 3 zugeschnitten ist. Um Ihnen den Umstand transparenter darzustellen, will ich es anhand eines Vergleichs verdeutlichen:
    Stellen Sie sich vor, Sie bauen einen Wagen und legen im ersten Schritt fest, dass Sie einen 600 PS-Motor verbauen wollen. Dann müssen Sie die Entscheidungen über die weiteren Einzelteile danach ausrichten.
    Die Investition in diese diskutierte Technik ist eben nichts anderes. Die Entscheidung zu diesem Schritt führt zwangsläufig dazu, dass das Freibad nicht mehr so bleiben kann, wie es ist.
    Natürlich ist es möglich, dass man zwischen Schritt 1 und den beiden nächsten zeitlich flexibel sein kann. Aber wie lange darf man flexibel sein? Was ist, wenn die Technik, die wir heute eingebaut haben, nach 5 Jahren oder mehr nicht mehr standardgemäß ist und man wieder neu ansetzen muss? Wie lassen sich solche eventuellen Kosten vorhersehen?
    Auch will ich hier klarstellen, dass der Betrag im genannten Facebook-Eintrag nicht vollständig abgebildet ist, denn zusätzlich zu den 1,855 Millionen Euro kommen noch Steuern (352.450 Euro), Abrisskosten des alten Technikgebäudes (unbekannte Höhe), Demontage der alten Technik (unbekannte Höhe) und Ingenieurs Bauaufsichtskosten (290.000 Euro) hinzu. Das heißt, wir reden von einer Summe von mindestens 2,5 Mio Euro. (Ohne den Abzug der SWIM-Förderung)
    Ebenfalls weise ich darauf hin, dass die laufenden Kosten in die Entscheidung einfließen müssen. Hier gilt es zu beachten, dass der Personalaufwand steigen wird und eine entsprechende Qualifikation und Aufgabenerweiterung dieses Personals zu höheren Kosten führt.

    Wenn Sie sich tiefer einlesen wollen, hier die genaue Faktenlage. Zur Freibad-Sanierung gab es drei Varianten, die zum Beschlussvorschlag vorgelegt wurden

    • Variante 1
    Beckengröße bleibt gleich, Bestand wird auf den heutigen Stand (Becken, Schwallwasserbehälter, Außentechnik) angepasst, Rutsche wird in ein separates Becken geplant.
    Gesamtkosten ca. netto € 3,435 Mio. (plus 19% MwSt.)
    • Variante 2
    Teilung derzeitiges 50m Becken in zwei, Implementierung Kinderbecken in die Wasserfläche, Bestand wird auf den heutigen Stand (Becken, Schwallwasserbehälter, Außentechnik) angepasst, Rutsche wird in ein separates Becken geplant.
    Gesamtkosten ca. netto € 3,03 Mio. (plus 19% MwSt.)
    • Variante 3:
    Ein Schwimmbecken mit 3x50m Schwimmbahnen, sowie 3x25m Schwimmbahnen, Nichtschwimmerbecken räumlich getrennt und mit Wasserstrudel aufgewertet, Kinder- und Planschbecken an anderer Stelle als Variante 2 geplant, Bestand wird auf den heutigen Stand (Becken, Schwallwasserbehälter, Außentechnik) angepasst, Rutsche wird in ein separates Becken geplant.
    Gesamtkosten ca. netto € 3,8 Mio. (plus 19% MwSt.)
    • Die Kosten für die Gebäude-, Kassen- und Sanitär-/Umkleidebereich-Sanierung sowie Abbruch und Demontage alter Filter und die anfallenden Baunebenkosten sind nicht in den Kalkulationen enthalten.
    • Ingenieurkosten inkl. Bauüberwachung betragen weitere € 290.000.
    • Anmeldung für das SWIM Programm 2021 wurde mit einer Sanierungssumme der Technik von ca. € 1,855 Mio (ohne Abriss- und Baunebenkosten s.o.) abgegeben. Zuschuss bei positiver Rückmeldung in Höhe € 556.500.

    Diese Beschlussvorlage ging kurz gesagt von der Gemeindevertretung zum Haupt- und Finanzausschuss und wieder zurück zur Verwaltung. Die Verwaltung wurde beauftragt, einen neuen Beschlussvorschlag zu erarbeiten der die Reduktion auf die Kosten der Schwimmbadtechnik nach Variante 3 beinhaltet, sowie die Kosten für eine entsprechende Beauftragung der gewählten Firma.

    Dieser neue Beschlussvorschlag, der von der Verwaltung erarbeitet wurde, ist wiederum im Haupt- und Finanzausschuss am 19.01.2021 (https://www.birkenau.de/_obj/9F426992-57CA-457A-8DE4-07B32C1E9385/outline/NS-HFA-19.01.2021.pdf) mit einer Enthaltung (FDP) abgelehnt worden. Jetzt gilt es abzuwarten, ob die Gemeindevertretung dem Vorschlag der HFA folgen wird.

    Ich hoffe, ich habe Sie jetzt damit nicht erschlagen, aber mir ist es wichtig nicht nur von Transparenz zu reden, sondern sie auch zu schaffen.

    Ihr
    Milan Mapplassary
    Bürgermeisterkandidat